Stege, Stege, viele Wege…

Wer sich minimal für das Tragen mit Tuch oder Tragehilfe interessiert, der kennt sie natürlich: die „Anhock-Spreizhaltung“. Klingt sperrig, aber selbst Neugeborene wissen genau wie es geht! Nimmt man sie hoch, ziehen sie die Beinchen an und lassen sich so bestens an einen Erwachsenen flanschen. Etwas ältere Babys spreizen dann zusätzlich die Oberschenkel, und von größeren Kindern, die man huckepack trägt, kennt man das ja auch. Knie anziehen, Beine nach außen winkeln, da ist sie dann, die Anhock-Spreizhaltung.

Diese Haltung ist nicht zufällig: Tragling und Tragender passen damit hervorragend aneinander und sie ist auch optimal für die sich entwickelnde Hüfte des Babys und ermöglicht ihm einen runden Rücken. Idealerweise sind seine Knie auf Bauchnabelhöhe, die Projektion der Beinknochen sieht somit aus wie ein M – von Fuß zu Knie zu Po und zurück.

Werden die Beine vom Po bis zu den Kniekehlen gestützt, ist es für das Kind am bequemsten. Die Auflagefläche ist maximal und die Unterschenkel können sich frei bewegen. Bei zu wenig Unterstützung kann die Tragehilfe bzw. das Tragetuch kneifen, die Ränder schneiden manchmal ein und die Beine fangen an zu kribbeln. Ist die Auflagefläche zu lang, werden die Beine überspreizt oder das Kind macht gar einen Spagat. Auch selten bequem! Umso schöner also, wenn sich die Länge  einstellen lässt, damit die Tragehilfe einem wachsenden Kind eine Weile passt bzw. auf verschiedene Kinder angepasst werden kann.

Jetzt nenne ich diese Auflagefläche unter den Beinen mal klassisch „Steg“ und dokumentiere einige Varianten.

Das Tragetuch

„Steg“ beim Tragetuch
„Steg“ beim Tragetuch

Beim Tragetuch wird die Stegbreite während des Bindens eingestellt, wenn das Kind angehockt und der Tuchrest zwischen den Bäuchen hochgezogen wird. „Beuteln“ ist hier das Stichwort, wohingegen „Ich hab den Beutel zerstört!“ niemand hören will… Wer ein 4,60m Tuch zur Hand hat, kann von Meerschwein bis Oger alles tragen, zumindest was den Steg angeht. So flexibel ist nur das Tuch.

Tragehilfen mit Kordeln

Kordel mit Knoten (hier: Didymos DidyTai)
Kordel mit Knoten (hier: Didymos DidyTai)

Aus einem „Guss“ und zudem aus Tragetuchstoff sind die meisten Mei Tais die in Deutschland zu bekommen sind. Bei ihnen findet sich genauso häufig ein mit Kordeln (=Schnur) verstellbarer Steg. Manchmal wird die Kordel verknotet, machmal mit einem Kordelstopper auf eine bestimmte Länge getrimmt, und manchmal passiert das Ganze zweistufig auf zwei Höhen, so dass ein hübscher Beutel für den Po entsteht. Allen gemein ist, dass die Maximalbreite des Stegs vorgegeben ist, nämlich die Breite ohne die Trimmung durch die Kordel. Wächst das Kind also munter weiter, muss eventuell auf eine andere Tragehilfe gewechselt werden.

Kordel mit Kordelstopper, zweistufig (hier: Hoppediz HopTye)
Kordel mit Kordelstopper, zweistufig (hier: Hoppediz HopTye)

Übrigens wird durch das Stegverkleinern auch der Hüftgurt verkürzt, denn die am Rückenteil befestigten Enden rücken dann näher zusammen.

fester Gurt und Kordeln beim Buzzidil
fester Gurt und Kordeln beim Buzzidil

Der Buzzidil hingegen hat einen gepolsterten, steifen Gurt, der Steg wird aber dennoch mit Kordeln eingestellt. Damit der Gurt bei sehr kleiner Stegeinstellung nicht ausbeult, unbedingt die Herstellerinformationen beachten und eventuell auf das kleinere Modell wechseln. Immerhin ist mit drei Größen eine ziemliche Spannweite abgedeckt.

Tragehilfen mit Tunnelsystemen

Steg an durchgehendem Klett befestigt (hier: Kokadi TaiTai)
Steg an durchgehendem Klett befestigt (hier: Kokadi TaiTai)

Tragehilfen mit separaten, gepolsterten Hüftgurten haben diese oft durch ein Tunnelsystem an das Rückenteil gefädelt und zentriert in der Mitte angenäht. Der Steg wird verkleinert, indem der (Tragetuch-)Stoff zusammen geschoben und zum Beispiel mit Klett fixiert wird. Das verändert also nichts an der Länge des Hüftgurts, es entsteht aber auch kein automatischer Beutel, weil die engste Stelle des Stegs unterhalb des Rückenteils ist.

Bei der Girasol MySol (ohne Bild) ist der Gurt übrigens nicht angenäht und kann somit ausgetauscht werden, zum Beispiel ein Bindegurt gegen den Schnallengurt.

ohne weitere Befestigung (Kundenwunsch-Trage von Mückenstich)
ohne weitere Befestigung (Kundenwunsch-Trage von Mückenstich)

andere Tragehilfen

Steg zum Knöpfen (Ruckeli)
Steg zum Knöpfen (Ruckeli)

Tragehilfen aus festeren Stoffen als dem diagonalelastischen Tragetuchstoff brauchen zumeist eine andere Lösung zur Stegverkleinerung, sonst würde das Rückenteil ordentlich Wellen schlagen und das sähe weder gut aus noch säße es sich darin bequem. Die Hersteller sind dabei außerordentlich einfallsreich, was mich überhaupt erst zu diesem Beitrag inspiriert hat.

Eine sehr süße Lösung hat zum Beispiel der Ruckeli, bei dem Teile abgeknöpft und nach außen umgeklappt werden können.

zweistufig und mit Klett (Ergobaby Adapt)
zweistufig und mit Klett (Ergobaby Adapt)

Bei der Ergobaby Adapt wird der Steg selbst auf passende Breite geklettet, zur Orientierung gibt es Markierungen. Auch hier kann man vorbeuteln durch ein zweistufiges System, von außen lässt sich das Rückenteil nämlich mit einer Knopfleiste schmaler stellen.

Manduca mit externer Stegverkleinerung
Manduca mit externer Stegverkleinerung

Die Manduca hat keine integrierte Stegverkleinerung, lässt sich aber durch ein beim Hersteller erhältliches Zubehör („Size-It“) oder aber durch ein dünnes Band von außen einstellen. Dadurch verkürzt sich gleichzeitig das Rückenteil, was bei sehr kleinen Traglingen durchaus erwünscht sein kann.

Tuchsteg bei der Emeibaby
Tuchsteg bei der Emeibaby

Auch die Emeibaby wartet mit einer gewitzten Lösung auf. Wie beim Tragetuch wird nach dem Einsetzen des Kindes der Stoff zwischen den Bäuchen hochgezogen und damit stets die perfekte Stegbreite eingestellt.

Sitz bei der Chicco Go Trage
„Sitz“ bei der Chicco Go Trage

 Andere Produkte hingegen kommen von Haus aus mit einer unveränderlichen und sehr schmalen Auflagefläche, die eine Anhock-Spreizhaltung nicht möglich macht. 

Fazit

Viele Wege führen zum perfekten Steg! Allerdings ist der ja auch nur die halbe Miete, denn da wäre noch das Rückenteil, das ebenfalls ganz individuell zum Kind passen muss. Und dann muss das Ganze auch irgendwie an den Tragenden drangeknödelt werden. Das ist aber eine andere Geschichte…