Blog

Trageberater:in werden! Nur wie?

Immer häufiger bekomme ich (sehr nette) Nachrichten über die Sozialen Medien oder per Email mit der Frage, wie man denn eigentlich Trageberaterin wird, was man alles dazu braucht und ob sich das überhaupt lohnt. In diesem Blogbeitrag fasse ich meine Antworten zusammen.

Meine eigene Motivation

Ich selbst bin klassisch „reingeschlittert“ in die Trageberatung. Eigentlich wollte ich mir nur ein wenig die (kognitive) Langeweile während der Elternzeit vertreiben. Da war überhaupt kein Plan oder eine Zukunftsvision im Hinterkopf, ich wollte auf Nachfrage fundierte Informationen weitergeben können zu einem für mich interessanten Thema. Weil ich aber gerne Dinge ausprobiere, habe ich mich dann doch vorsorglich beim Finanzamt gemeldet, eine Website erstellt, Visitenkarten gedruckt und abgewartet. Und dann kam plötzlich die erste Anfrage!

Warum Trageberaterin werden?

Wesentlich häufiger sind natürlich andere Gründe zu finden: Neben dem Wissensaufbau passend zum eigenen Berufsfeld kann das schon vorhandene Eltern-Kind-Angebot erweitert werden. Und nicht zuletzt soll Geld damit verdient werden, entweder ergänzend zum Hauptberuf oder als (neue) Selbständigkeit.

Trageberatung ist eine Angelegenheit von Mensch zu Mensch. Neben den finanziellen Aspekten spielt dabei sicher auch eine Rolle, dass es ein Dienst für die Gesellschaft ist. Wir sorgen dafür, dass entspanntere Eltern entspanntere Kinder haben. Und das sind schließlich die Menschen, die uns zukünftig umgeben! 

Wer in die Trageberatung einsteigen will, sollte sich also im Klaren sein, dass er im Spannungsfeld zwischen Erwerbsarbeit und Ehrenamt landet. Denn nicht automatisch wird das, was wirklich hilfreich ist, auch wirklich gut entlohnt. Da ist vorausschauende Planung sicherlich nicht verkehrt!

Was musst du mitbringen?

Ein eigener Tragling ist keine Voraussetzung um die Ausbildung anzugehen. Positiv an eigener Trageerfahrung ist, dass dir der „Trage-Slang“ schon bekannt ist, andererseits müssen so manche ins Muskelgedächtnis eingebrannte Handgriffe ersetzt werden. 

Auch musst du nicht mit einer Batterie von Tragehilfen aufwarten: Baue dein Sortiment mit Bedacht auf, wenn du genug in den Präsenzveranstaltungen ausprobiert hast. Sowieso kann es nützlich sein, die Abschlussbescheinigung oder dein Zertifikat abzuwarten, weil du damit bei vielen Herstellern auch Rabatte für deine Vorführer bekommst.

Was also musst du mitbringen? Du brauchst Zeit und musst natürlich die Kosten der Ausbildung finanzieren können. Und dann brauchst du nochmal Zeit. Denn ohne eigenes Binden, eigenes Anfassen und Optimieren verschiedener Tragehilfen und ohne Partnerübungen zum Anleiten beim Tragen wirst du nicht gut beraten können.

Wer grundsätzlich nicht gerne mit Menschen arbeitet, der kann die Ausbildung natürlich trotzdem zum Vergnügen machen. Aber für aktive Beratungen ist das eher suboptimal: Man trifft auf eine kunterbunte Mischung Menschen, denen nur gemeinsam ist, dass sie eben Kinder bekommen (haben). Da ist es gut, wenn man sich flexibel darauf einlassen kann.

Welche Trageschule wählen?

Ich selbst habe bei mehreren unterschiedlichen Trageschulen Abschlüsse erworben und habe bei allen viel gelernt. Die wichtigste Botschaft: Bleib am Ball, fange an einer Stelle an und nimm an anderer Stelle zumindest eine Weiterbildung mit, weil es den Horizont so viel mehr erweitert! 

Schau dir die Websiten der Schulen an und lasse sie auf dich wirken. Jede Schule hat einen eigenen Stil, und das sieht man tatsächlich auch! Was spricht dich am meisten an?

Gibt es zeitlich passende Termine in deiner Nähe? Werden überhaupt Präsenzveranstaltungen angeboten? Darauf würde ich definitiv Wert legen. Wenn ein Praxistag optional ist, dann fühle dich bitte dazu verpflichtet 🙂 Es lernt sich so viel mehr und einfacher, wenn man das Wissen im wahrsten  Sinne des Wortes „begreift“. 

In jeder Schule wirst du theoretischen Inhalten begegnen, mehr oder weniger Bindeweisen mit dem Tragetuch lernen, mehr oder weniger Tragehilfen kennenlernen und mehr oder weniger theoretisches und praktisches Futter für deinen Unternehmensaufbau bekommen. Manchmal ist es sehr kompakt, meist baut sich die Ausbildung in mehreren Stufen auf. Wieviel Inhalte du brauchst, ist natürlich auch abhängig von deinen Zielen! 

Erste Schritte

Du hast dein Zertifikat in der Hand, herzlichen Glückwunsch! Aber woher kommen denn jetzt die Anfragen?!

Falls noch nicht geschehen, solltest du dich schleunigst um die rechtlichen Angelegenheiten kümmern (aber auch hierzu bekommst du üblicherweise Tipps von deiner Trageschule): Denke an die Gewerbeanmeldung, eine Haftpflichtversicherung und lege fest, wie du Verträge mit deinen Kunden schließen möchtest. 

Baue ein sinnvolles Sortiment für deinen Start auf. Das ist durchaus davon abhängig, was du beraten kannst und beraten willst. Für mich geht es nicht ohne Tuch, Ringsling und Tragehilfen in Babysize. Kombiniere geschickt verschiedene Trägerformen und Bauchgurte um möglichst unterschiedlichen Vorlieben und Körperformen gerecht zu werden. Und du brauchst eine kleine Tragepuppe. Wenn du parallel Trageweisen zeigen möchtest, brauchst du natürlich etwas mehr. Einen Halfbuckle „A“ kann man auch parallel mit einem Halfbuckle „B“ anleiten, ein zweites Tuch und eine zweite Puppe brauchst du aber früher oder später.

Um dich und dein Angebot auch bekannt zu machen, solltest du dich mit Werbung und Marketing auseinandersetzen. Aktuell (2024) kann ich dir dafür unbedingt Julis Podcast „Elternmagnet“ ans Herz legen, den bekommt man auf allen bekannten Plattformen. 

Ich finde eine Website unverzichtbar, zum einen weil die Suchmaschinen dich leicht finden können, zum anderen weil du die wichtigsten Informationen schon bereitstellen kannst: Wer bist du, was bietest du an, was kostet das, welche AGB gelten und natürlich eine Information, wie man dich am besten erreicht. Das ist das Minimum.

Bei mir hat das schon gereicht für die erste Kundin und dann ausreichend Mundpropaganda für weitere Kunden. Empfehlen würde ich aber ganz klar, dass du weitererzählst, was du nun für ein hervorragendes Angebot hast. Baue dir nach und nach ein Netzwerk auf, verteile Visitenkarten und Flyer und mache vor allem gute Arbeit.

Wie geht es weiter?

Nach etwa einem Jahr ist es Zeit für ein erstes Fazit. Macht dir die Arbeit Spaß? Bringt sie dir das erwartete Einkommen? Wo müsstest du investieren für mehr Spaß oder mehr Einkommen?

Wenn du und das Finanzamt zufrieden sind, solltet du dennoch daran arbeiten, diesen Status auch zu erhalten. Vielleicht bietet deine Trageschule in regelmäßigen Abständen Auffrischungskurse an oder du nutzt die Gelegenheit, mal bei einer anderen Schule reinzuschnuppern? Zum einen geraten manche Kniffe nach und nach in Vergessenheit, zum anderen kommen neue Tricks oder natürlich Tragehilfen in Mode. Der Austausch ist also immer gewinnbringend.

Apropos Austausch: Netzwerken ist so unglaublich wertvoll! Schau dich während der Kurse deiner Trageschule um, aber natürlich auch bei den Trageberaterinnen und Elternberaterinnen in deiner Umgebung. Mit wem kannst du dich gut austauschen? Mit wem möchtest du vielleicht sogar kooperieren? Zu zweit lassen sich beispielsweise ganz andere Kursformate anbieten oder man teilt sich kostengünstig Räumlichkeiten. Für den virtuellen Austausch taugen auch Messenger-Gruppen oder eben fachinterne Gruppen in den Sozialen Medien. Nicht zuletzt ist der Tragenetzwerk e.V. eine prima Anlaufstelle für den Austausch unter Gleichgesinnten.

Ausbauen kannst du auch dein Sortiment, falls du nach und nach mehr Anfragen für größere Kinder bekommst. Dann ist eine größere Puppe sinnvoll und natürlich auch eine größere Auswahl an passenden Tragehilfen.

Oder aber du bildest dich in Spezialthemen fort. Regelmäßig angeboten werden von den verschiedenen Schulen Fortbildungen zum Tragen von Frühgeborenen, Tandemtragen, Tragen bei besonderen Bedürfnissen und viele mehr.

Vielleicht ist die Trageberatung auch nur der erste Schritt in die Selbständigkeit gewesen und du ergänzt sie mit weiteren Angeboten rund um die Familie – bei mir waren das die Stillberatung und die Stoffwindelberatung. 

Und schließlich: Lohnt sich das?

Ich zitiere mich einfach mal selbst: „Ich habe ein mega Netzwerk mit tollen Frauen dadurch, kann Familien in einer sensiblen Zeit helfen und mir wird definitiv nicht langweilig. Geld? Naja. Da musst du schon geschickt kombinieren und die Nachfrage generieren. Mit TB [Trageberatung] allein, insbesondere wenn du nur Einzelberatungen anbietest, hast du eher kein zweites Standbein und noch weniger einen Job, der dein Leben finanziert.“

Das mag vielleicht entmutigend klingen, aber wie eingangs erwähnt: Nicht alles was hilfreich ist, wird auch angemessen entlohnt. Hier müssen wir alle mehr Lobby-Arbeit für das Tragen machen und eine qualitativ hochwertige Trageberatung anbieten! 

Trau dich!

Wenn du unsicher bist, ob die Trageberatung für dich das Richtige ist, dann frage bei den Schulen nach einem Schnupperkurs. Und wenn du es finanzieren kannst und total Bock auf Input hast, dann „gönn“ dir einen Grundkurs! Es ist auch persönlich unglaublich bereichernd und macht viel Freude. Wenn du dann doch nicht in die Beratung einsteigst, hast du dennoch für das restliche Leben ein kleines Handwerksköfferchen mit wirklich sinnvollen Tools für einen Tragestart bei dir. Und das Tragen brauchen doch wirklich alle mit Baby in ihrem Alltag: Viele, sehr viele Menschen um dich herum.

Hilfe gesucht?

Wenn du jetzt Fragen hast oder sie im Laufe deiner Ausbildung aufkommen, dann scheue dich nicht mir zu schreiben. Ich unterstütze dich gerne dabei, dein Sortiment zu optimieren, an der Vermittlung einer Trageweise zu feilen oder an anderer Stelle deinen Beratungsalltag zu verbessern. Schreib mir dafür an tanja{at}trageberatung-forchheim.de und wir schauen gemeinsam, wie du dich weiterentwickeln kannst!

Fullbuckle vs. Kanga

Du willst mich unterstützen? Dann spende doch! Das geht über Paypal ganz einfach (Link öffnet in neuem Tab). Ich sage DANKE! Ich freue mich auch sehr über Beratungsanfragen und Weiterempfehlungen! Tragen ist nicht nur entlastend und bereichernd in der Babyzeit, auch größere Kinder (und ihre Eltern) können davon profitieren. Also einfach weitersagen…